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Kira Rwanda...



KIRA Rwanda – Liebe das Leben
Pfadfinderinnen und Pfadfinder gegen HIV/Aids weltweit

60 Millionen HIV-Infizierte: Dies ist die schreckliche Bilanz von HIV/Aids seit dem Ausbruch der Pandemie vor zwei Jahrzehnten. Alle sechs Sekunden infiziert sich ein Mensch, jede zehnte Sekunde stirbt jemand an den Folgen von HIV/Aids. Die wirtschaftlich und sozial benachteiligten Länder und Bevölkerungsgruppen sind besonders betroffen.
Mehr als 90 % der infizierten Menschen leben in Entwicklungsländern. In Afrika leben 70 % der weltweit Infizierten, bei 10 % der Weltbevölkerung. 2002 starben dort etwa 2,4 Mio. Menschen an AIDS. Allmählich fehlt dort eine ganze Generation, es ist die Generation, die die Kinder erzieht, das Geld verdient und die Alten versorgt. Aids hat Afrika wirtschaftlich um Jahre zurückgeworfen. Die Folge ist ein politischer Destabilisierungsprozess, der so schnell voranschreitet, wie die Zahl der Neuinfektionen.
Aids ist nicht die Beulenpest oder Ebola, sondern eine Krankheit, die man zwar nicht heilen, aber vermeiden kann. Zudem sind seit einigen Jahren Medikamente auf dem Markt, die das Leben menschenwürdig verlängern können. Aber bislang hat nur eine einzige Firma in Südafrika die Erlaubnis, ein erschwingliches Nachahme-Präparat für 14 Länder zu produzieren. Wirtschaftliche Interessen sind den Pharmakonzernen wichtiger als die Gesundheit und Menschenwürde vieler Millionen Menschen.

Gesundheit in Rwanda

In Rwanda geht man davon aus, dass 8% bis 20% der Bevölkerung HIV infiziert sind. Welche Zahl auch stimmen mag, Gegenmaßnahmen sind mehr als wichtig. Unser Partnerverband in Rwanda, die „Association des Scouts du Rwanda“ (ASR), hat schon vor einigen Jahren, die Gesundheitserziehung und insbesondere die Aidspräventionsarbeit als ein wichtiges Ziel in ihr Programm aufgenommen. Sie will damit ihre Mitglieder wie auch die restliche Bevölkerung vor dieser Pandemie so gut es geht schützen.
Mit der Jahresaktion wollen wir die ASR bei ihrer Arbeit finanziell unterstützen. Hierbei sollen vor allem drei wichtige Elemente der Präventionsarbeit gefördert werden:
3 Die Entwicklung und Produktion von Präventionsmaterial, zugeschnitten auf die rwandesische Lebenswirklichkeit und orientiert an der pfadfinderischen Pädagogik.
3 Die Ausbildung von Pfadfindern zu Multiplikatoren und qualifizierten Gruppenleitern.
3 Das erfolgreiche Ansprechen von Jugendlichen über vier dezentrale Informations- und Freizeitzentren.
Für diese Ziele wird es z.B. verschiedene Workshops, Multiplikatorenseminare und Ausbildungskurse für Leiter geben, bei denen ausdrücklich Pfadfinder aller Provinzen Rwandas teilnehmen sollen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, soll außerdem eine Zeitschrift und verschiedene Radiobeiträge produziert werden. Mit Straßentheater wollen die Pfadfinder Informationen zu HIV/Aids und anderen vermeidbaren Krankheiten vermitteln. Die erfolgreich arbeitenden vier Ausbildungszentren der ASR werden schon als Informations- und Freizeitzentren genutzt. Ihre Ausstattung wird teilweise mit Materialien ergänzt. Offiziell wird das Projekt in Rwanda mit einer großen Auftaktveranstaltung im März 2004 gestartet. Dies macht den einen wesentlichen Unterschied zu früheren Jahresaktionen deutlich: „Kira Rwanda“ findet gleichzeitig in Deutschland und Rwanda statt und ermöglicht so einen wirklich partnerschaftlichen Austausch.
Gemäß unserem Verständnis von Partnerschaftsarbeit soll es dabei aber nicht bleiben. Wir wollen uns im Rahmen der Jahresaktion damit auseinander setzen, warum sich ausgerechnet in den Entwicklungsländern so viele Menschen mit HIV infizieren und warum sie keinen Zugriff auf lebensverlängernde Medikamente haben. Wie hängen Phänomene der Bildung, Krieg, Armut und die afrikanische Kultur mit Krankheiten wie HIV/Aids zusammen und wie ist die Situation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Vergleich in Deutschland hierzu?

Gesundheit in Deutschland

Afrika ist weit weg! Verglichen mit der Situation in Afrika, Asien und Osteuropa scheint es in Deutschland in Bezug auf HIV/Aids paradiesisch auszusehen: Neuinfektionen halten sich in Grenzen, die medizinische Versorgung der Infizierten ist ausreichend und gut. Jedoch führen auch bei uns die Nebenwirkungen der Medikamente dazu, dass ein Leben mit Berufstätigkeit, geregeltem Einkommen und gesellschaftlich anerkanntem Status sehr schwierig wird. Durch die Verharmlosung der Risiken von HIV/Aids kommt es zunehmend zur Vernachlässigung der Prävention und fatalen Fehleinschätzungen der Therapie-Möglichkeiten.
So halten zum Beispiel 50 % der Jugendlichen in Deutschland Aids für heilbar. Sie haben den Ausnahmezustand in den Anfangszeiten von Aids nicht erlebt. Eine neue Sorglosigkeit breitet sich aus. An offiziellen Zahlen lässt sich diese Entwicklung noch nicht festmachen, weil Aids keiner Meldepflicht unterliegt. Daten aus Großbritannien bestätigen aber, dass dort die Zahl der Neu-Infektionen mit HIV innerhalb eines Jahres um 20% gestiegen sind. Das sind Gründe für uns, Aids-Präventionsarbeit nicht den Pfadfindern im fernen Rwanda zu überlassen, sondern bei uns damit anzufangen.
Wie ihr schon in diesem wenigen Zeilen erkennen könnt, bietet diese Jahresaktion sehr viel Zündstoff, ohne dass wir schon genauer auf den Themenkomplex Gesundheit im allgemeinen eingegangen wären. Um all dem gerecht zu werden, haben wir uns entschlossen, diese Jahresaktion zum ersten Mal in der Geschichte der DPSG nicht nur ein Jahr lang durchzuführen, sondern über zwei Jahre hinweg, nämlich 2004 und 2005. Die inhaltlichen Schwerpunkte konzentrieren sich 2004 eher darauf, Rwanda und unsere Partner wieder neu kennen zu lernen und dabei viel über die Probleme mit Aids (in Afrika und Deutschland) zu erfahren. 2005 wollen wir dann den Fokus auf Gesundheitserziehung im allgemeinen legen. Ein Höhepunkt wird dann im Jahr 2005 der Weltjugendtag in Deutschland sein. Dort wollen wir mit unseren Freunden aus Rwanda dieses große Treffen nutzen, um unser Engagement gegen Aids und Krankheiten gemeinsam zu präsentieren.