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Aussendungsfeier in Münster

Aussendungsfeier für das Friedenslicht


Münster. Wenn es in der Vorweihnachtszeit voll wird auf Münsters Straßen und Plätzen, dann findet jemand, der Ruhe sucht, meist ein stilles und besinnliches Eckchen im St.-Paulus-Dom. Es sei denn, es ist der Dritte Advent, kurz vor 17 Uhr. Dann ist der Dom traditionell "proppevoll", denn es findet, wie in jedem Jahr, die Aussendungsfeier für das Friedenslicht aus Betlehem statt.
Das Licht soll ein Zeichen der Hoffnung und ein Brückenschlag in den Nahen Osten sein: In den Wochen vor Weihnachten wird es in der Geburtsgrotte Jesu Christi in Betlehem entzündet und macht von dort aus seine Reise per Flugzeug und Bahn über Wien in Aussendungsstädte in ganz Europa.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn des ökumenischen Wortgottesdienstes hatten sich am Sonntag (14.12.2003) etwa 2.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus allen Teilen des Bistums im St.-Paulus-Dom in Münster eingefunden. Das Chorgestühl war ebenso in Beschlag genommen worden wie die Stufen an der Chorschranke oder der Treppenaufgang zur Kanzel. Hunderte Kinderstimmen hallten durch das Gotteshaus und an allen Ecken und Enden sah man die Banner der Organisatoren der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und der Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (PSG).


Noch etwas stimmungsvoller und lauter wurde es, als das Musikprojekt "Tohuwabohu" aus Wesel Weihbischof Friedrich Ostermann und die Boten, die das Friedenslicht in den Dom tragen, beim Einzug in den Dom begleitete. Vier Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus dem Bistum Münster hatten das Licht am Vortag in Wien in Empfang genommen. Ihre Aufmerksamkeit galt auch noch beim Einzug dem Schutz der Flamme, damit sie nicht noch auf den letzten Metern ausging.
Weihbischof Ostermann richtete einige ganz persönliche Worte an die Kinder und Jugendlichen: "Stiftet den Frieden, vergebt euren Gegnern und Feinden", rief er ihnen zu, "zieht einen Schlussstrich und fangt von ganzem Herzen neu an!" Das gelte besonders in Alltagssituationen wie in der Schule oder in Gruppenstunden. Schließlich habe auch Jesus einen neuen Anfang gemacht und damit die Kette des Bösen durchbrochen.
Kaum hatte der Bischof mit den Geistlichen Leitungen der Pfadfinderverbände und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend sowie den vier Lichtboten aus Wien seinen Platz im Chorraum verlassen, um die Flamme des Friedens weiter zu geben, erstrahlte auch schon der komplette Dom im hellen Lichterglanz. Eine Kette des Lichts zog sich von Mensch zu Mensch, von Bank zu Bank, bis dass auch der letzte Winkel des Domes "erleuchtet" war.Stimmung bei der Aussendungsfeier: Weihbischof Ostermann zusammen mit Organisatoren der Pfadfinderinnen und Pfadfinder.Die Lichterkette wird in den nächsten Tagen nicht abreißen: Über die Gemeinden, Verbände, Gruppen und öffentlichen Einrichtungen wird die Flamme ihren Weg quer durch das Bistum machen. Thorsten und Thomas, zwei Pfadfinder aus Hiltrup, wollen das Friedenslicht in das Altenheim des münsterschen Stadtteils bringen: "Die Leute dort freuen sich immer über das Licht", erzählte Thomas, "und darüber, dass die jungen Leute sich um sie kümmern – dass wir sie nicht vergessen."
DPSG-Diözesankurat Markus Vorspohl wird das Friedenslicht an die Fachberatungsstelle "Wohnhilfen und Existenzsicherung" des evangelischen Gemeindedienstes der Diakonie in Münster bringen. Dort wartet die Leiterin des Gemeindedienstes, Marion Kahn: "Das Licht steht symbolisch gerade auch für sozialen Frieden. Und den haben wir in diesen Zeiten bitter nötig." Deswegen will Kahn das Licht in den nächsten Tagen auch in die anderen Bereiche des Gemeindedienstes weitertragen.
Auch in Ahlen wird das Friedenslicht bald in Altenheimen, Krankenhäusern und Privathaushalten leuchten. Und darüber hinaus in allen Kirchen der Stadt. Egal ob katholisch, evangelisch oder orthodox, die Pfadfinder bringen es am vierten Advent traditionell in jedes Gotteshaus. "Das Licht ist für uns ein universelles Zeichen der Solidarität", erläuterte Elke Stemmer vom Ahlener DPSG-Stamm. Es symbolisiere nicht nur Frieden, Zusammenhalt und Wärme, sondern rege auch zum Nachdenken an.
Zunächst gilt das für Elke Stemmer selbst, die sich überlegen muss, wo sie die Fackel bis zur Weitergabe am folgenden Adventssonntag aufbewahren soll. "Letztes Jahr hat es eine Woche lang in unserem Schlafzimmer gebrannt", lächelte sie. Einen Platz werde sie bestimmt finden. Die Hauptsache sei, dass die Flamme nicht erlösche.

Text und Fotos: Thomas Mollen, 15.12.2003 Quelle: http://www.kirchensite.de/

Friedenslicht 14.12